Google-Rechenzentrum in Kronstorf: Ein Wust aus Intransparenz und mangelnder Bürgerinformation

Bis zu 500 Megawatt Leistung, Milliarden Liter Wasser, 50 Hektar Fläche – und rund 100 dauerhafte Arbeitsplätze direkt am Standort. Das Google-Rechenzentrum in Kronstorf ist eines der größten Investitionsprojekte in der Geschichte Oberösterreichs. Gerade deshalb braucht es maximale Transparenz. Doch viele entscheidende Fragen sind bis heute nicht ausreichend beantwortet.

Das Google-Rechenzentrum in Kronstorf wird gerade gebaut. Gleichzeitig wurde bereits der weitere Ausbau des gesamten Campus zur Genehmigung eingereicht. Aus einem ohnehin riesigen Projekt könnte damit ein Rechenzentrum mit einer Anschlussleistung von bis zu 500 Megawatt werden.

Ein Projekt dieser Dimension polarisiert. Die einen sehen darin einen technologischen Meilenstein und eine Milliardeninvestition für den Wirtschaftsstandort. Andere sorgen sich um Stromversorgung, Wasser, Flächenverbrauch, Umwelt, Netzkosten und die Auswirkungen auf die unmittelbare Umgebung.

Beides ist legitim.

Was aber nicht legitim ist: berechtigte Fragen der Bevölkerung mit dem Hinweis abzutun, dass ohnehin alles behördlich geprüft und genehmigt sei.

Genau hier beginnt für mich das politische Problem.

Eine Genehmigung ersetzt keine politische Verantwortung

Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner verweist immer wieder auf bestehende Genehmigungen, Bescheide und Prüfungen. Formal mag das richtig sein.

Aber Politik besteht nicht darin, sich hinter einem Aktendeckel zu verstecken.

Der entscheidende Feststellungsbescheid, wonach für das Projekt keine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig sei, stammt aus dem Jahr 2020. Das wasserrechtliche Verfahren wurde zwar erst 2025 mit einem Bescheid abgeschlossen, wesentliche Projektunterlagen und die mündliche Verhandlung gehen jedoch ebenfalls auf das Jahr 2020 zurück. Inzwischen hat sich nicht nur die Dimension des Projekts weiter konkretisiert – auch der Energiebedarf von Rechenzentren und insbesondere von KI-Infrastruktur hat sich weltweit dramatisch entwickelt.

Mittlerweile wurde sogar der Vollausbau des gesamten 50-Hektar-Campus beantragt.

Da muss doch die Frage erlaubt sein:

Ist eine Prüfung aus der Vergangenheit wirklich ausreichend, wenn sich Dimension, technologische Nutzung und Rahmenbedingungen derart verändern?

Ein rechtskräftiger Bescheid ist eine rechtliche Tatsache.

Aber er befreit einen verantwortlichen Politiker nicht davon, neue Entwicklungen neu zu bewerten.

Bis zu 4,4 Terawattstunden Strom – jedes Jahr

Besonders deutlich wird das beim Stromverbrauch. Für die erste Ausbaustufe ist eine Anschlussleistung von 150 Megawatt vorgesehen. Im möglichen Vollausbau sprechen Google und E-Control mittlerweile von bis zu 500 Megawatt.

Netz Oberösterreich beziffert den möglichen Jahresverbrauch im Vollausbau mit bis zu 4,4 Terawattstunden Strom.

Zum Vergleich: Ganz Oberösterreich – Haushalte, Gewerbe, Industrie, Verkehr und öffentliche Einrichtungen zusammen – verbrauchte 2024 rund 14 Terawattstunden.

Das Rechenzentrum könnte damit allein einen Stromverbrauch erreichen, der fast einem Drittel des heutigen gesamten Stromverbrauchs Oberösterreichs entspricht. Der Verbrauch wäre jedenfalls deutlich höher als jener aller privaten Haushalte Oberösterreichs zusammen.

Das ist keine Kleinigkeit.

Das ist energiewirtschaftlich eine neue Größenordnung.

Woher kommen zusätzliche 4,4 Terawattstunden?

Deshalb möchte ich wissen:

  • Wo wird dieser zusätzliche Strom produziert?

  • Welche Kraftwerke liefern ihn?

  • Welche Leitungen transportieren ihn?

  • Welche zusätzlichen Netzkapazitäten werden ausschließlich oder überwiegend wegen dieses Großverbrauchers notwendig?

  • Welche Investitionen müssen dafür getätigt werden?

  • Und vor allem: Wer bezahlt sie?

Im oberösterreichischen Zentralraum wird derzeit ein neuer 220-kV-Versorgungsring errichtet. APG, Netz Oberösterreich und LINZ NETZ beziffern die Investitionen für dieses Gesamtprojekt mit rund 800 Millionen Euro. Fairerweise muss man dazusagen: Dieser Netzausbau dient nicht ausschließlich Google, sondern soll generell den steigenden Strombedarf des Zentralraums und der Industrie absichern.

Gerade deshalb muss aber transparent dargestellt werden:

  • Welcher Teil des Netzausbaus wäre auch ohne Google notwendig?

  • Welcher zusätzliche Ausbau wird durch das Rechenzentrum verursacht?

  • Welchen Anteil bezahlt Google direkt?

  • Und welcher Anteil landet über Netzentgelte irgendwann bei Haushalten, Gewerbebetrieben und Industrie?

Für mich ist klar:

Die Infrastrukturkosten eines internationalen Milliardenkonzerns dürfen nicht auf die Stromrechnung der oberösterreichischen Bürger und Unternehmen ausgelagert werden.

„100 Prozent erneuerbar“ beantwortet die Frage nicht

Von politischer Seite wird gerne darauf verwiesen, dass der Strom aus erneuerbaren Energieträgern stammen soll. Das klingt beruhigend.

Es beantwortet aber die entscheidende physikalische Frage nicht.

Google erklärt selbst, seinen Energiebedarf weltweit bilanziell mit 100 Prozent erneuerbarer Energie auszugleichen und langfristig eine rund um die Uhr CO₂-freie Versorgung anzustreben. Ein bilanzieller Ausgleich über ein Jahr bedeutet jedoch nicht automatisch, dass in jeder einzelnen Stunde genügend Wind-, Wasser- oder Sonnenstrom verfügbar ist.

  • Was passiert also nachts, wenn keine Sonne scheint?

  • Was passiert bei Windflaute?

  • Was passiert in Trockenperioden, wenn Wasserkraft weniger Strom produziert?

Für ein Rechenzentrum gibt es kein „Heute rechnen wir ein bisschen weniger“. Die Server müssen rund um die Uhr laufen. Dafür braucht es Speicher, Reservekapazitäten, Importe oder regelbare Kraftwerke. Auch diese Infrastruktur kostet Geld.

Deshalb gehört zur vollständigen Energiebilanz nicht nur die schöne Zahl auf einem Ökostromzertifikat. Es gehört die Frage dazu, wie die tatsächliche Versorgung 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr abgesichert wird.

Und was passiert bei einem Stromengpass?

Eine weitere Frage wird bisher kaum öffentlich diskutiert. Was geschieht, wenn es tatsächlich zu einem regionalen oder überregionalen Stromengpass kommt? Wer wird zuerst vom Netz genommen?

  • Ein internationaler Großkonzern mit einem Verbrauch von möglicherweise mehreren Terawattstunden?

  • Oder österreichische Industriebetriebe?

  • Gewerbebetriebe?

  • Haushalte?

  • Die Bevölkerung?

Ich erwarte darauf eine eindeutige Antwort.

Bei einem Rechenzentrum dieser Größenordnung muss bereits vor Inbetriebnahme klar geregelt und veröffentlicht sein, welche Lastabwurf- und Notfallregelungen gelten.

Wenn es zu einer Mangelsituation kommt, muss transparent sein, ob Google seine Leistung reduzieren, auf eigene Notstromsysteme zurückgreifen oder vollständig vom öffentlichen Netz getrennt werden kann und muss.

Es darf nicht passieren, dass ein privater internationaler Milliardenkonzern Versorgungssicherheit garantiert bekommt, während heimische Unternehmen oder Haushalte im Ernstfall Einschränkungen tragen.

Milliarden Liter Wasser für die Kühlung

Der zweite große Bereich ist Wasser. Hier lohnt sich ein Blick in den wasserrechtlichen Bescheid des Landes Oberösterreich. Demnach dürfen aus mehreren Brunnen bis zu 202,78 Liter Uferfiltrat pro Sekunde entnommen werden. Das Maximum ist zusätzlich mit 15.200 Kubikmetern pro Tag beziehungsweise 5,55 Millionen Kubikmetern pro Jahr begrenzt.

Zurück in die Enns geleitet werden dürfen maximal 98,89 Liter pro Sekunde beziehungsweise rund 2,108 Millionen Kubikmeter jährlich. Die maximal zulässige Rücklauftemperatur beträgt 30 Grad Celsius.

Das sind keine Zahlen einer Bürgerinitiative. Das sind Zahlen aus dem wasserrechtlichen Bescheid.

Damit ist auch klar: Zwischen maximal genehmigter Entnahme und maximal genehmigter Rückleitung besteht eine erhebliche Differenz. Google setzt auf sogenannte evaporative Kühlung – ein Teil des Wassers wird also zur Kühlung verdunstet und die Wärme über die Atmosphäre abgegeben. Im maximal zulässigen Jahresrahmen können bis zu 5,55 Milliarden Liter entnommen werden, während die genehmigte Rückleitung auf rund 2,11 Milliarden Liter begrenzt ist.

  • Wo bleiben im Extremfall die übrigen Milliarden Liter?

  • Welche Menge verdunstet tatsächlich?

  • Wie verändert diese Verdunstung das Mikroklima in unmittelbarer Umgebung?

  • Welche Auswirkungen hat dauerhaft zusätzliche Feuchtigkeit?

  • Wie werden Nebelbildung, Luftfeuchtigkeit und lokale Temperaturverhältnisse überwacht?

Das sind Fragen, die man nicht als Panikmache abtun sollte. Man sollte sie messen und beantworten.

Was bedeutet das warme Wasser für die Enns?

Auch bei der Rückleitung gibt es zwei Seiten. Der Bescheid erlaubt an der Einleitungsstelle eine maximale Temperatur von 30 Grad Celsius. Google und das Land argumentieren, dieser Wert werde im Regelbetrieb deutlich unterschritten. Das Land geht nach vollständiger Durchmischung von einer Erwärmung der Enns um ungefähr 0,01 Grad aus; Google verweist ebenfalls auf Gutachten, wonach flussabwärts kein messbarer Temperaturunterschied mehr zu erwarten sei. Diese Aussagen gehören zur vollständigen Darstellung dazu.

Aber auch daraus ergibt sich für mich keine Berechtigung, das Thema abzuhaken. Denn entscheidend ist nicht nur ein theoretischer Jahresmittelwert. Entscheidend sind Extremsituationen.

  • Was passiert bei Niedrigwasser?

  • Was passiert während längerer Hitzeperioden?

  • Was passiert, wenn die Enns selbst bereits ungewöhnlich warm ist?

  • Welche Auswirkungen gibt es unmittelbar an der Einleitungsstelle?

  • Und werden sämtliche Messdaten über Entnahmemengen, Grundwasserstände, Rückleitung, Temperatur und Wasserqualität öffentlich und laufend zugänglich gemacht?

Der Bescheid schreibt umfangreiche Messungen und Berichte vor. Dann gibt es aus meiner Sicht keinen nachvollziehbaren Grund, warum diese Daten nicht auch für die Bevölkerung transparent veröffentlicht werden sollten.

Was gemessen wird, kann man auch offenlegen.

50 Hektar Fläche – für rund 100 direkte Dauerarbeitsplätze

Auch beim Bodenverbrauch muss man die Dimensionen betrachten. Google verfügt in Kronstorf über rund 50 Hektar Betriebsbaugebiet. Google spricht von rund 100 dauerhaften direkten Arbeitsplätzen am Datencenter selbst. Zusätzlich verweist der Konzern auf Beschäftigung in der Bauphase, Aufträge für regionale Unternehmen und auf eine Studie, wonach bis 2029 jährlich rund 4.600 Arbeitsplätze in der weiteren Region wirtschaftlich unterstützt beziehungsweise gesichert werden könnten.

Auch das gehört fairerweise erwähnt. Aber hundert dauerhafte Arbeitsplätze direkt auf einem Standort von rund 50 Hektar sind trotzdem keine außergewöhnlich hohe Arbeitsplatzdichte.

Deshalb muss man fragen:

  • Ist dieser Flächenverbrauch im Verhältnis zur dauerhaften regionalen Wertschöpfung gerechtfertigt?

  • Welche Alternativen wurden geprüft?

  • Welche Kompensationsmaßnahmen gibt es?

  • Welche zusätzliche Wertschöpfung bleibt langfristig tatsächlich in Kronstorf, in Oberösterreich und in Österreich?

Technologische Großprojekte können sinnvoll sein. Aber ein Milliardeninvestment ist nicht automatisch ein gutes Geschäft für die Bevölkerung, nur weil die Investitionssumme beeindruckend klingt.

Wie viel Steuer bleibt tatsächlich in Österreich?

Damit sind wir bei einer weiteren entscheidenden Frage. Wie viel Steuersubstrat bleibt tatsächlich in Österreich? Internationale Digitalkonzerne verfügen über komplexe Konzernstrukturen. Daher möchte ich nicht hören, wie hoch Googles weltweiter Umsatz oder die theoretische Investitionssumme in Kronstorf ist.

Mich interessiert konkret:

  • Welche Gesellschaft betreibt das Rechenzentrum?

  • Wo werden die dort erbrachten Leistungen verrechnet?

  • Welche Gewinne werden der österreichischen Betriebsstätte beziehungsweise Gesellschaft zugerechnet?

  • Wie hoch ist die in Österreich tatsächlich zu erwartende Körperschaftsteuer?

  • Wie viel Kommunalsteuer fällt an?

  • Welche sonstigen Abgaben fließen an Bund, Land und Gemeinden?

  • Und welche öffentlichen Kosten stehen diesen Einnahmen gegenüber?

Erst wenn diese Zahlen auf dem Tisch liegen, kann man seriös beurteilen, ob dieses Projekt nicht nur für Google, sondern auch für Österreich wirtschaftlich ein gutes Geschäft ist.

Andere Länder ziehen inzwischen die Notbremse

Besonders interessant ist der internationale Vergleich. Mit dem weltweiten KI-Boom wächst der Bedarf an Rechenzentren dramatisch. Gleichzeitig wächst in zahlreichen Regionen der Widerstand gegen deren Strom-, Wasser- und Flächenverbrauch.

Im Juli 2026 hat der US-Bundesstaat New York ein einjähriges Moratorium für neue große Rechenzentren ab 50 Megawatt beschlossen. Während dieses Zeitraums sollen deren Umwelt- und Energieauswirkungen systematisch untersucht und einheitliche Standards entwickelt werden. Auch auf lokaler Ebene gibt es in den USA bereits Moratorien und Verbote.

Auch international wurden Beschränkungen eingeführt. Amsterdam hatte neue Rechenzentren zeitweise gestoppt und hat die Ansiedlungspolitik stark eingeschränkt. In Irland war der Netzanschluss neuer Rechenzentren zeitweise begrenzt; neue Projekte müssen inzwischen wesentlich stärker zur eigenen Versorgungssicherheit beitragen.

Das bedeutet nicht, dass Rechenzentren grundsätzlich schlecht sind.

Es bedeutet etwas viel Vernünftigeres:

Andere Staaten und Regionen schauen sich aufgrund neuer Erfahrungen noch einmal an, welche Auswirkungen diese neue digitale Schwerindustrie auf Stromnetze, Wasser, Boden und Bevölkerung hat.

Warum sollte Oberösterreich das nicht ebenfalls tun? Warum versteckt sich Landesrat Markus Achleitner hinter alten und offensichtlich überholten Bescheiden, Genehmigungen und Erkenntnissen?

Ein Bescheid aus der Vergangenheit darf kein Denkverbot für die Zukunft sein

Genau deshalb überzeugt mich das Argument nicht: „Es ist ohnehin alles genehmigt.“ Wenn neue Erkenntnisse vorliegen, muss Politik reagieren. Wenn ein Projekt wesentlich größer wird, muss Politik reagieren. Wenn sich weltweit zeigt, dass Rechenzentren Stromnetze und Wasserversorgung stärker belasten können als ursprünglich angenommen, muss Politik reagieren. Und wenn die Bevölkerung Fragen hat, muss Politik antworten.

Sie darf sich nicht hinter Behörden verstecken. Das Land Oberösterreich hat mittlerweile eine eigene Informationsseite zum Google-Datencenter eingerichtet und stellt dort auch Bescheide und Unterlagen zur Verfügung. Das ist grundsätzlich richtig. Aber echte Transparenz bedeutet mehr, als Dokumente ins Internet zu stellen, nachdem das Projekt bereits im Bau ist.

  • Transparenz bedeutet, die Menschen vorher einzubinden.

  • Transparenz bedeutet, Alternativen offenzulegen.

  • Transparenz bedeutet, Kosten und Nutzen gegenüberzustellen.

  • Und Transparenz bedeutet auch, unangenehme Fragen zu beantworten.

Wer haftet, wenn etwas schiefgeht?

Am Ende bleibt noch eine Frage, die bei großen Prestigeprojekten erstaunlich selten gestellt wird:

Wer trägt das Risiko?

  • Wer haftet, wenn es durch die Wasserentnahme wider Erwarten zu Veränderungen des Grundwasserspiegels kommt?

  • Wer haftet bei Schäden an benachbarten Brunnen?

  • Wer haftet für nachgewiesene Beeinträchtigungen durch Lärm?

  • Wer haftet für Umweltbeeinträchtigungen?

  • Wer trägt Folgekosten, wenn zusätzliche Netzkapazitäten geschaffen werden müssen?

  • Wer bezahlt, wenn technische Anlagen irgendwann zurückgebaut werden müssen?

  • Welche Versicherungen bestehen?

  • Welche finanziellen Sicherheiten wurden verlangt?

  • Und reicht die Haftungsmasse der österreichischen Betreibergesellschaft tatsächlich aus, sollte es irgendwann zu einem größeren Schaden kommen?

Solche Fragen stellt man nicht deshalb, weil man hofft, dass etwas passiert. Man stellt sie gerade deshalb, damit im Fall der Fälle nicht wieder die Allgemeinheit zahlt.

Technologie ja – Blankoscheck nein

Ich bin nicht gegen Digitalisierung. Ich bin nicht gegen Künstliche Intelligenz. Und ich bin auch nicht grundsätzlich gegen Rechenzentren. Aber Fortschritt darf kein Totschlagargument sein. Ein internationaler Konzern hat genauso wenig Anspruch auf einen politischen Blankoscheck wie jedes andere Unternehmen.

Wenn 50 Hektar Fläche beansprucht werden, wenn ein einzelner Standort künftig fast ein Drittel des heutigen oberösterreichischen Stromverbrauchs benötigen könnte und wenn Milliarden Liter Wasser jährlich entnommen werden dürfen, dann hat die Bevölkerung ein Recht auf maximale Transparenz.

Nicht irgendwann. Sondern bevor vollendete Tatsachen geschaffen werden.

Deshalb fordere ich eine aktuelle und umfassende Neubewertung des Gesamtprojekts – unter Berücksichtigung des geplanten Vollausbaus, der aktuellen Entwicklung des Energieverbrauchs von KI-Rechenzentren und der internationalen Erfahrungen.

Dazu gehören für mich insbesondere eine vollständige Energiebilanz, die Offenlegung der Finanzierung aller notwendigen Netzausbauten, konkrete Notfall- und Lastabwurfregelungen, laufend veröffentlichte Wasser- und Grundwassermessdaten, eine nachvollziehbare Untersuchung des Mikroklimas, eine transparente Darstellung der tatsächlichen österreichischen Wertschöpfung und Steuerleistung sowie ein klares Haftungs- und Rückbaukonzept.

Und vor allem braucht es eines:

Die Menschen in Kronstorf und der gesamten Region müssen endlich ernst genommen und umfassend informiert werden.

Eine Milliardeninvestition ist kein Argument gegen Kontrolle. Sie ist ein Argument für noch mehr Kontrolle.

Denn je größer ein Projekt ist, desto größer sind auch seine möglichen Auswirkungen.

Politische Verantwortung bedeutet deshalb nicht, auf alte Bescheide zu zeigen.

Politische Verantwortung bedeutet, heute die Fragen zu beantworten, die sich heute stellen.

Macht braucht Kontrolle – nicht irgendwann, sondern von Anfang an.

Die MFG versteht ihre Aufgabe im Landtag genau darin: Akten und Geldflüsse hinterfragen, Widersprüche aufzeigen und Antworten einfordern. Kontrolle ist kein Selbstzweck und keine persönliche Attacke. Sie ist der Schutzmechanismus einer Demokratie. Dabei verschweige ich nicht, dass in der aktuellen Causa auch Gemeindevertreter und andere Oppositionsparteien Initiativen gesetzt haben. Glaubwürdige Kontrolle beginnt mit Ehrlichkeit – auch dann, wenn sie nicht in eine einfache parteipolitische Erzählung passt.

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Quellen und Recherchehinweise

[1] Land Oberösterreich – Google-Datencenter Kronstorf: Angaben zu 100 dauerhaften Arbeitsplätzen, Wasserverbrauch, UVP-Feststellungsbescheid 2020, Genehmigungsstand, Abwärmenutzung und offizieller Position des Landes.

[2] Wasserrechtlicher Bescheid des Landes Oberösterreich vom 7. Februar 2025: Genehmigt maximal 202,78 l/s beziehungsweise 5,55 Mio. m³ Wasserentnahme pro Jahr und maximal 98,89 l/s beziehungsweise rund 2,108 Mio. m³ Rückleitung; maximal zulässige Rücklauftemperatur 30 °C.

[3] ORF Oberösterreich / E-Control: Netzanschluss mit 150 MW in der ersten und bis zu 500 MW im möglichen Vollausbau.

[4] Der Standard / Netz Oberösterreich: Bis zu 1,3 TWh Jahresverbrauch in der ersten und bis zu 4,4 TWh im möglichen Vollausbau; gesamter OÖ-Stromverbrauch 2024 rund 14 TWh.

[5] APG – Sichere Stromversorgung Zentralraum Oberösterreich: Ausbau des 220-kV-Versorgungsrings und Investitionen der Projektpartner von rund 800 Mio. Euro.

[6] Google Kronstorf: Angaben des Unternehmens zu Wasserkühlung, Verdunstung, Energiebedarf, erneuerbaren Energien und geplantem Ausbau auf bis zu 500 MW.

[7] Reuters / AP – internationale Entwicklung: Moratorien, Verbote und zunehmende Regulierung großer Rechenzentren in den USA und anderen Staaten aufgrund von Strom-, Wasser- und Umweltauswirkungen.

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