Flughafen Linz: Wie viel Steuergeld darf politisches Wunschdenken kosten?

Die geplante Wiederaufnahme der Flugstrecke Linz–Frankfurt ist kein Zeichen von Standortpolitik, sondern ein weiteres Kapitel in der Geschichte eines Flughafens, der künstlich am Leben erhalten wird. Nicht durch den Markt, sondern durch Steuergeld. Was hier als „wichtige Anbindung“ verkauft wird, ist in Wahrheit ein politisch motiviertes Verlustgeschäft, dessen Kosten am Ende wieder die Allgemeinheit trägt.

Linz–Frankfurt: Ein bekanntes Verlustgeschäft – diesmal auf vier Jahre fixiert

Das Land Oberösterreich ist bereit, die Verluste der Flugstrecke Linz–Frankfurt aus dem Budget auszugleichen. Das bedeutet nichts anderes, als dass das unternehmerische Risiko vollständig auf den Steuerzahler überwälzt wird. Die Lufthansa-Tochter AUA hat diese Strecke in der Vergangenheit betrieben – mit einem jährlichen Verlust von rund fünf Millionen Euro. Genau diese Größenordnung steht nun wieder im Raum.

Brisant ist dabei nicht nur die Höhe des Defizits, sondern die Dauer der Verpflichtung. Die Ausschreibung schreibt vor, dass die Strecke vier Jahre lang betrieben werden muss. Selbst wenn sich frühzeitig zeigt, dass die Nachfrage ausbleibt, zahlt das Land weiter. Rechnet man nüchtern, sprechen wir allein hier von mindestens 20 Millionen Euro Steuergeld, die in eine nachweislich verlustbringende Verbindung fließen sollen.

Zusatzkosten und Illusionen bei den Passagierzahlen

Zu diesen laufenden Verlusten kommen weitere Millionen hinzu. Die Sanierung der Start- und Landepiste wird ebenfalls aus öffentlichen Mitteln finanziert. Diese Kosten sind im Defizit der Fluglinie noch gar nicht enthalten, kommen also zusätzlich.

Gleichzeitig steht das Ganze auf einer Passagierbasis, die mit der Realität wenig zu tun hat. Der Landesrechnungshof hat klar festgehalten, dass der Flughafen Linz mindestens 500.000 Passagiere pro Jahr bräuchte, um kostendeckend zu sein. Tatsächlich waren es zuletzt rund 180.000. Es fehlen also 320.000 Passagiere jährlich.

Landesrat Achleitner scheint zu glauben, dass genau diese Lücke nun durch die Strecke Linz–Frankfurt geschlossen werden kann. Man kann also meinen, dass sinngemäß von 320.000 zusätzlichen Passagieren die Rede ist. Das ist kein seriöser Plan, das ist Wunschdenken. Frankfurt mag für Geschäftsreisende relevant sein – aber niemand ist darauf angewiesen, von Linz aus dorthin zu fliegen. Die Anbindung an den Flughafen Wien ist mit Bahn und öffentlichen Verkehrsmitteln sehr gut, und von dort gibt es ausreichend wirtschaftlich tragfähige Verbindungen nach Frankfurt und in die Welt.

Der wirtschaftlich sinnvolle Teil wird ignoriert: Fracht statt Passagiere

Während der Passagierbetrieb seit Jahren Verluste produziert, zeigt ein anderer Bereich, wo der tatsächliche Wert des Standorts liegt. Der Frachtflughafen Linz. Zuletzt wurden rund 53.000 Tonnen Fracht abgewickelt, dieser Bereich ist kostendeckend und trägt wesentlich zur regionalen Wertschöpfung bei.

Auch Studien bestätigen, dass die viel zitierte Umwegrentabilität und der wirtschaftliche Nutzen des Flughafens überwiegend aus dem Frachtbereich stammen – nicht aus dem Passagierverkehr. Wer den Flughafen Linz ernsthaft als Wirtschaftsstandort sichern will, müsste genau hier ansetzen. Stattdessen wird weiter Geld in einen Passagierbetrieb gesteckt, der strukturell nicht funktioniert.

Unternehmerangebot liegt am Tisch – Politik will offenbar nicht loslassen

Besonders bezeichnend ist, dass es ein konkretes Angebot eines Unternehmerkonsortiums gibt, die 50 Prozent der Stadt Linz am Flughafen zu übernehmen. Derzeit halten das Land Oberösterreich und die Stadt Linz jeweils 50 Prozent der Anteile. Ein Einstieg von Unternehmern wäre eine echte Chance für wirtschaftliche Vernunft.

Unternehmer handeln anders als Politik. Verlustbringende Teilbereiche werden geschlossen oder neu ausgerichtet, funktionierende Bereiche gestärkt und ausgebaut. Genau das würde dem Flughafen guttun. Doch es wirkt nicht so, als würde dieses Angebot von der Stadt Linz oder von Landesrat Achleitner als verantwortlichem Beteiligungslandesrat und Aufsichtsratsvorsitzendem ernsthaft verfolgt. Offenbar hält man lieber an politischer Kontrolle fest – selbst wenn sie seit Jahren nachweislich nicht funktioniert.

Fazit: Der Flughafen braucht Wirtschaft – nicht weitere Budgetmillionen

Der Flughafen Linz ist zweifellos wichtig für den Standort Oberösterreich. Aber nicht jede Flugverbindung ist automatisch Standortpolitik, und nicht jedes Prestigeprojekt rechtfertigt Millionen aus dem Landesbudget. Was wir derzeit erleben, ist kein Sanierungskonzept, sondern ein Weiterwursteln auf Kosten der Steuerzahler.

Statt Verluste zu sozialisieren, braucht es Ehrlichkeit: Der Passagierbetrieb ist in dieser Form nicht tragfähig. Der Frachtbereich hingegen ist der wirtschaftliche Kern des Flughafens. Und statt politischer Alleinsteuerung wäre unternehmerisches Denken dringend notwendig.

Oder ganz klar gesagt:
Politik kann Wirtschaft nicht.
Beim Flughafen Linz sieht man das deutlich.

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