Ein Leitfaden zum einfachen Drogenkauf im Internet?

Dieser Blogbeitrag gibt die Aussagen eines jungen Mannes wieder, der sich für das Wochenende über das Internet sehr einfach Partydrogen besorgen kann – oder besorgt. In einem Gespräch mit Joachim Aigner zeigt er auf, wie das aus seiner Sicht funktioniert.
Wichtig: Dieser Beitrag ist der erste Teil einer investigativ-journalistischen Serie über das Desaster und die massiven Probleme rund um den Drogenkauf im Internet. Er soll nicht zum Konsum animieren, sondern aufklären, warnen und sensibilisieren.

Teil 1: Das Interview

Der junge Mann, der interviewt wird, nennt sich hier „Tom“. Der Name ist selbstverständlich geändert; aus Gründen des Datenschutzes und des Informantenschutzes wird seine Identität nicht offengelegt.

Joachim Aigner:
Hallo Tom. Du hast mir vor kurzem erzählt, dass du dir für das Wochenende Partydrogen über das Internet besorgst – und dass das für dich keine besondere Herausforderung ist. Wie stellst du das an, beziehungsweise wie bist du darauf gekommen?

Tom:
Naja, das ist ganz einfach. Als sogenannter Digital Native, geboren rund um das Jahr 2000, bin ich mit den Möglichkeiten des Internets aufgewachsen. Schon als Jugendlicher bin ich auf das Darknet gestoßen und habe gesehen, was dort alles angeboten wird.

Joachim Aigner:
Du meinst also, dort wird „alles“ angeboten? Wenn ich im normalen Internet versuche, Drogen zu kaufen, fällt das sehr schnell auf oder scheitert schon daran, dass man gar nicht weiß, wo man suchen soll.

Tom:
Genau das ist der Punkt. Das Internet, das du meinst, ist das, was die meisten Menschen kennen. Das Darknet ist um ein Vielfaches größer. Dort ist man anonym unterwegs, man braucht einen speziellen Browser. Es gibt dort richtige Online-Shops. Drogen kann man dort ganz einfach auswählen, kaufen und bestellen. Auch die Lieferadresse ist aus Sicht der Nutzer nicht direkt nachvollziehbar.

Joachim Aigner:
Und wie wird bezahlt? Voraus per Überweisung? Da wäre doch ein Bankkonto ersichtlich – oder per Nachnahme?

Tom (lacht):
Nein. Bezahlt wird mit Kryptowährungen. Am häufigsten mit Monero. Die ist zwar nicht ganz so einfach zu bekommen, aber wenn man einmal einen Weg gefunden hat, Bitcoin anonym in Monero zu tauschen, funktioniert das problemlos. Wie genau das geht, verrate ich nicht – sonst verschwindet diese Möglichkeit vielleicht schneller, als mir lieb ist.

Joachim Aigner:
Das heißt, du bestellst und bezahlst im Voraus mit dieser Kryptowährung?

Tom:
Ja, genau. Und binnen weniger Tage bekomme ich ein anonymes Paket oder einen Brief nach Hause – je nach Menge. Bis zu fünf Gramm wird oft als Brief verschickt, darüber hinaus eher als kleines Paket. Beim Versand kann man sogar auswählen, ob das Ganze getarnt werden soll, etwa wie ein internationaler Versandhandel. Wenn ein Paket von einer großen Verkaufsplattform kommt, denkt niemand an verbotene Inhalte.

Joachim Aigner:
Und welche Drogen bestellst du typischerweise?

Tom:
Im Großen und Ganzen Ecstasy. Aber natürlich kann man auch Kokain und vieles andere sehr einfach bestellen. Niemand muss heute mehr zu einem Dealer in irgendeinen Park oder einen bekannten Hotspot gehen. Wer Drogen noch physisch kauft, hat die Möglichkeiten des Internets nicht entdeckt. Das ist eine aussterbende Retro-Rasse der Drogenkonsumenten – oder es sind Menschen, die abhängig sind und täglich konsumieren und nur das Geld ausgeben können, das sie gerade haben. Für diese Gruppe ist der Einkauf im Internet oft keine Option.

Joachim Aigner:
Danke für diesen kurzen Überblick. Wir werden in weiteren Gesprächen noch viel genauer darauf eingehen.

Tom:
Gerne. Ich stelle dir wie versprochen auch anonymisierte Screenshots zur Verfügung, damit klar ist, dass das hier Gesagte kein Fake ist.

Teil 2: Einordnung und Ausblick

Dieser Beitrag ist bewusst der Auftakt einer Serie. Er soll zeigen, wie niedrig die Hemmschwelle für junge Menschen geworden ist, über das Internet mit illegalen Substanzen in Kontakt zu kommen – und wie professionell, anonym und scheinbar „risikolos“ diese Angebote daherkommen.

In den nächsten Teilen werden wir uns unter anderem damit beschäftigen:

  • wie diese Plattformen und Online-Shops konkret aussehen und wie einfach sie gefunden werden,

  • welche Rolle Postversand und Kontrollen spielen – und wo staatliche Systeme offensichtlich an ihre Grenzen stoßen,

  • welche Gefahren von dieser Form des anonymen Zugangs ausgehen, gerade für Jugendliche,

  • und was Suchtexperten, Präventionsstellen und Mediziner dazu sagen.

Eines ist klar: Dieser Blog will nicht verharmlosen. Illegale Drogen sind kein Lifestyle-Gadget, sondern ein reales Risiko – gesundheitlich, psychisch und gesellschaftlich. Die scheinbare Leichtigkeit des Zugangs im Internet verschärft das Problem, statt es zu lösen.

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